Das Wort „Casino“: Ein venezianisches Erbe erobert die Welt

Wer heute das Wort Casino hört, denkt sofort an glitzernde Fassaden, Roulette-Tische und das große Glück. Doch die Wurzeln dieses Begriffs liegen tief in den Gassen und der Geschichte Venedigs verborgen. Es ist die Geschichte von einem „kleinen Haus“, das zur Geburtsstätte einer weltweiten Industrie wurde.

Das Casino di Venezia in der Ca' Vendramin Calergi – Ursprung und Herkunft des Wortes Casino

Vom kleinen Haus zum großen Spiel

Das Wort „Casino“ ist die italienische Verkleinerungsform von casa (Haus). Wörtlich übersetzt bedeutet es schlicht „Häuschen“. Ursprünglich bezeichneten die venezianischen Adligen damit ihre privaten Rückzugsorte. Da die großen Familienpaläste (Palazzi) oft repräsentativen Zwecken dienten und strengen gesellschaftlichen Protokollen unterlagen, mieteten oder kauften sich die Patrizier kleinere Räumlichkeiten – oft in der Nähe des Markusplatzes.

In diesen intimen „Casini“ konnte man sich entspannt treffen, fernab der neugierigen Blicke der Öffentlichkeit. Man diskutierte über Politik, genoss die Literatur und widmete sich dem Vergnügen – wozu ganz entscheidend das Glücksspiel gehörte.

Das Ridotto: Venedigs pragmatischer Weg

Obwohl das Glücksspiel von der Kirche kritisch gesehen und vom Staat immer wieder reglementiert wurde, bewies die Republik Venedig ihren legendären Pragmatismus. Anstatt das Spiel in den unkontrollierbaren privaten Casini zu belassen, eröffnete der Rat der Zehn im Jahr 1638 das „Ridotto“ im Palazzo Dandolo bei San Moisè.

Es gilt heute als das erste öffentliche, staatlich sanktionierte Spielhaus der Welt. Der Zutritt war zwar theoretisch jedem erlaubt, doch hohe Mindesteinsätze und die Pflicht zum Tragen einer Maske sowie eines Dreispitz-Hutes stellten sicher, dass die Oberschicht unter sich blieb.

Die Bedeutungswandlung über die Jahrhunderte

Im Laufe der Zeit wanderte der Begriff aus Venedig in die Welt hinaus. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden in ganz Europa prachtvolle Gebäude für gesellschaftliche Zusammenkünfte, die nach italienischem Vorbild „Casinos“ genannt wurden. Aus dem privaten „Häuschen“ für den Adel wurde ein öffentlicher Ort für Unterhaltung, Tanz und eben das professionelle Glücksspiel.

Das Casino di Venezia heute

Wer heute Venedig besucht, findet das offizielle Casino in einem der prächtigsten Paläste am Canal Grande: der Ca‘ Vendramin Calergi. Dieser Renaissance-Palast, in dem einst Richard Wagner verstarb, beherbergt heute die Spieltische der Lagunenstadt.

Es ist faszinierend zu sehen, wie ein einfacher Begriff für ein kleines Rückzugshaus seinen Weg aus den venezianischen Kanälen in den globalen Sprachschatz gefunden hat. Jedes Mal, wenn heute irgendwo auf der Welt ein Casino eröffnet wird, schwingt ein kleines Stück venezianische Geschichte mit.

Tipp für Venedig-Besucher: Ein Besuch im Casino di Venezia in der Ca‘ Vendramin Calergi lohnt sich nicht nur für das Spiel. Die Architektur und die prunkvollen Innenräume bieten einen authentischen Einblick in die venezianische Lebensart vergangener Jahrhunderte. Bitte beachten Sie die Kleiderordnung – ein Hauch von der Eleganz der alten „Casini“ ist dort bis heute spürbar.




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