Wenn Tizian der „König“ war, dann war Tintoretto (Jacopo Robusti) der „Rebell“ und der fleißigste Arbeiter Venedigs. Sein Name bedeutet „das Färberlein“, da sein Vater Stofffärber war – und diese Herkunft merkt man seiner Kunst an.
Tintoretto war bekannt für sein unglaubliches Tempo und seinen Ehrgeiz. Sein Motto, das er angeblich über seiner Werkstatt aufgehängt hatte, lautete: „Das Zeichnen von Michelangelo und die Farbe von Tizian.“
Was war seine Spezialität?
Tintorettos Stil lässt sich so beschreiben:
- Licht und Schatten (Dramatik): Er malte wie ein Regisseur in einem Film. Das Licht kommt oft von der Seite oder aus dem Hintergrund, was seine Bilder extrem spannend und fast schon „3D-mäßig“ wirken lässt.
- Gigantische Formate: Tintoretto malte nicht einfach nur groß – er malte das größte Ölgemälde der Welt seiner Zeit (Das Paradies im Dogenpalast).
- Bewegung: Während andere Maler ihre Figuren ruhig posieren ließen, herrscht bei Tintoretto Action. Die Körper verdrehen sich, Menschen fliegen förmlich durch das Bild.
- Der „flüchtige“ Pinselstrich: Kritiker warfen ihm vor, er male zu schnell und unsauber. Heute wissen wir: Dieser lockere Stil gibt seinen Bildern eine unglaubliche Energie, die man besonders aus der Distanz spürt.
Wo man Tintoretto heute in Venedig erleben kann
1. Scuola Grande di San Rocco (Das „Muss“)
Dies ist für Tintoretto das, was die Sixtinische Kapelle für Michelangelo ist. Er hat hier über 20 Jahre lang gearbeitet.
- Das Highlight: Die gesamte Innenausstattung stammt von ihm. Man betritt einen Raum voller monumentaler Wand- und Deckengemälde.
- Tipp für Senioren: In der Mitte des großen Saals liegen oft Spiegel auf den Tischen oder man kann sich welche nehmen. So kann man die riesigen Deckenbilder betrachten, ohne den Kopf in den Nacken legen zu müssen – ein toller Service für Besucher!
2. Dogenpalast (Palazzo Ducale)
In der Sala del Maggior Consiglio (Saal des Großen Rates) befindet sich sein Werk „Il Paradiso“.
- Besucher-Info: Es ist eines der größten Leinwandgemälde der Welt (ca. 22 Meter breit). Es ist so gewaltig, dass man davor steht und sich fragt, wie ein einzelner Mensch (mit seinen Gehilfen) so etwas schaffen konnte.
3. Madonna dell’Orto
Dies war Tintorettos „Hauskirche“ im Stadtteil Cannaregio.
- Das Besondere: Hier liegen seine sterblichen Überreste. Die Kirche beherbergt einige seiner wichtigsten frühen Werke (z. B. Das Jüngste Gericht). Da diese Kirche etwas abseits der Haupttouristenströme liegt, ist sie ideal für ruhige Fotoaufnahmen.
Ein Tipp für Ihre Reise:
Tintorettos Wohnhaus steht noch heute im Stadtteil Cannaregio (nahe der Kirche Madonna dell’Orto). Es ist ein schlichtes, aber schönes Motiv für ein Foto, um die Person hinter den riesigen Gemälden greifbar zu machen. Suchen Sie nach der Fondamenta de i Mori.