Enrico Dandolo (ca. 1107–1205) war vielleicht der entschlossenste Anführer, den die Republik Venedig je hatte. Trotz seines hohen Alters und seiner Erblindung lenkte er die Geschicke der Stadt in einer Weise, die Europa für immer veränderte. Sein Name ist untrennbar mit dem Vierten Kreuzzug und der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1204 verbunden.
Der Mann hinter dem Aufstieg Venedigs
Dandolos politische Brillanz lag darin, die Flotte der Kreuzfahrer so geschickt zu instrumentalisieren, dass sie nicht das Heilige Land befreite, sondern Venedigs größten Rivalen – das Byzantinische Reich – zu Fall brachte. Er sicherte Venedig damit die Vorherrschaft im Mittelmeer und brachte unermessliche Schätze in die Lagunenstadt.
Auf Dandolos Spuren: Was Sie heute in Venedig sehen können
Enrico Dandolo ist heute einer der wenigen Dogen, dessen Wirken man fast an jeder Ecke des Markusplatzes physisch greifen kann, obwohl er gar nicht in Venedig begraben liegt:
- Die Quadriga (Die vier Bronzepferde): Die berühmten antiken Pferde an der Fassade (und die Originale im Museum) des Markusdoms sind Dandolos „Beutestück“ aus Konstantinopel. Ohne ihn stünden sie heute nicht in Venedig.
- Heute: Sie sind das Wahrzeichen der Stadt und ein Muss für jeden Besucher.
- Die Beute aus dem Osten (Pala d’Oro & Marmor): Viele der kostbaren Edelsteine im goldenen Altaraufsatz (Pala d’Oro) und die prächtigen Säulen an der Außenseite des Markusdoms stammen aus der Plünderung Konstantinopels unter Dandolos Führung.
- Das Grab (Konstantinopel): Einzigartig für einen Dogen: Enrico Dandolo ist nicht in Venedig bestattet. Sein Grab befindet sich in der Hagia Sophia in Istanbul (dem damaligen Konstantinopel).
- Bezug für Surfer: In der Hagia Sophia erinnert heute noch eine Grabplatte im Obergeschoss an ihn – ein Symbol für die venezianische Dominanz jener Zeit.
Mein Tipp für Ihren Besuch
Wenn Sie vor dem Markusdom stehen, betrachten Sie die vielen verschiedenen Marmorsorten und Reliefs an der Fassade. Fast alles, was „fremd“ und besonders prächtig aussieht, kam unter Enrico Dandolo als Kriegsbeute nach Venedig. Er baute die Kirche quasi aus den Trümmern eines Kaiserreiches aus.