
Tagebuch eines Maskenjägers: Zwischen Blauer Stunde und Ellenbogen-Check
Man sagt, der Karneval in Venedig sei ein Fest für die Sinne. Für uns Fotografen ist er vor allem eines: Ein sportlicher Wettkampf, der lange vor dem ersten Sonnenstrahl beginnt. Wer glaubt, wir würden gemütlich ausschlafen, der hat noch nie versucht, eine Maske ohne 50 Touristen im Hintergrund zu erwischen. Im Bild die Maske Manu Miedl morgens um 6:15 Uhr unter den Arkaden am Dogenpalast.
05:30 Uhr – Das Grauen hat einen Weckton

Der Wecker klingelt. Draußen ist es nicht romantisch, sondern einfach nur dunkel, neblig und so ungemütlich, dass selbst die Tauben auf dem Markusplatz lieber den Kopf unter den Flügel stecken. Aber die Erziehung sitzt tief: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Oder in meinem Fall: Das perfekte Porträt. Also: Zähneputzen, frisch machen und die Technik-Checkliste abarbeiten. Akkus? Check. Blitze? Check. Motivation? Kommt nach dem ersten Kaffee.
06:00 Uhr – Die wilde Jagd beginnt

Pünktlich um sechs stehe ich am Markusplatz. Ich bin nicht allein. Die „Meute“ wartet schon. Es ist ein faszinierendes Schauspiel: Auf jede Maske kommen gefühlt 20 Fotografen. Das macht nach Adam Riese 40 spitze Ellenbogen, die um die beste Perspektive kämpfen.
Warum wir uns das antun? Wegen der Blauen Stunde. Dieses Licht ist für uns wie flüssiges Gold. Wenn dann die erste Maske aus dem Nebel auftaucht, stürzen wir uns darauf in der Hoffnung, das „Bild des Jahrhunderts“ zu schießen.
Profi-Tipp: Wer erst um 07:00 Uhr kommt, findet zwar mehr Masken, aber die Fotografen-Dichte erreicht dann bereits kritische Ausmaße. Und denkt dran: Erst die zweite Maus bekommt den Käse – aber das erste Licht gehört dem frühen Vogel!
Das „Geben und Nehmen“ unter den Arkaden

Zwischen uns Fotografen und den Masken herrscht ein stilles Abkommen. Wir brauchen sie, sie brauchen uns. Unter den Arkaden des Dogenpalastes findet das tägliche Speed-Dating statt. Die Masken wissen genau, wo sie sich für das beste Licht positionieren müssen. Es ist ein eingespieltes Team aus Profis, die sich oft seit Jahren kennen.
07:30 Uhr – Rettung durch Nutella und Co

Wenn gegen halb acht das orangefarbene Licht der Laternen erlischt, schlägt meine Stunde – die Frühstücksstunde! Mein Geheimtipp für alle, die den Markusplatz kurz verlassen wollen: Ab in die Gasse hinter dem Hotel Danieli zur Venice Bakery. Ein Espresso und ein Croissant (mit Pistazienfüllung oder Marmalada oder Nutella: – ein absolutes Muss!) wirken Wunder gegen die morgendliche Kälte.
Ausflug nach Burano: Bunte Häuser, bunte Masken

Dienstags zieht es uns immer nach Burano. Wenn die Sonne scheint, leuchten die farbigen Fassaden mit den Kostümen um die Wette. Das Schöne an Burano? Man kann sich nicht verlaufen. Man folgt einfach den Masken, die meist gemeinsam mit den Fotografen im Vaporetto anreisen. Es ist wie eine bunte Völkerwanderung auf dem Wasser.
Der Kampf der Systeme: Profis vs. Handys

Zurück in Venedig wird es tagsüber schwierig. Das „Problem“ sind nicht die Masken, sondern die zehntausend Handy-Fotografen.
- Der Profi: Steht zwei Meter weg, zoomt rein, erzeugt ein butterweiches Bokeh (Hintergrund-Unschärfe) und stellt die Maske frei.
- Der Handy-Fan: Geht bis auf 50 Zentimeter ran, nutzt den Weitwinkel und hat am Ende nicht nur die Maske, sondern auch noch die Rucksäcke von drei anderen Touristen auf dem Display.
Der Geheimtipp: Scala Contarini del Bovolo

Von der Blauen Stunde zum Selfie-Wahnsinn
Wer als Fotograf beim Karneval in Venedig etwas auf sich hält, kennt den heiligen Gral: die Blaue Stunde. Morgens zwischen sechs und sieben Uhr hat man genau 20 Minuten Zeit, in denen das Licht die Stadt in magisches Blau taucht. Abends nach Sonnenuntergang das gleiche Spiel – 20 Minuten pure Euphorie, und dann?
Wenn die „Selfie-Lawine“ rollt
Nach acht Uhr morgens ist es mit der Ruhe schlagartig vorbei. Die Tagesausflügler fluten den Markusplatz wie eine Springflut. Das wissen natürlich auch die Masken: Sie sind hier, um gesehen, bewundert und fotografiert zu werden. Doch für uns ambitionierte Fotografen beginnt jetzt die „Saure-Gurken-Zeit“.
Das Problem? Um jede prachtvolle Maske bildet sich sofort eine Traube aus Touristen. Ein sauberes Foto ohne störende Köpfe im Hintergrund? Vergiss es! Im Zeitalter des Selfies drängt sich permanent jemand zwischen die Masken, grinst in sein Smartphone oder lässt sich von Bekannten ablichten. Für einen Fotografen, der den Fokus rein auf das Kostüm legen will, ist das der absolute Stimmungskiller.
Der Geheimtipp: Die Wendeltreppe zum Glück
Doch zum Glück gibt es in Venedig noch Orte abseits des ganz großen Rummels, die sowohl bei Maskenträgern als auch bei Kennern der Linse als echter Hotspot gelten: die Scala Contarini del Bovolo.
Diese historische Wendeltreppe ist eine architektonische Perle und die perfekte Bühne. Das Besondere hier:
- Kein fester Terminkalender: Es gibt keine offizielle Uhrzeit. Man spaziert einfach auf Verdacht hin – mal hat man Glück, mal weniger.
- Architektur trifft Maske: Die Arkadengänge der Treppe bieten den idealen Rahmen. Manchmal steht unter jedem einzelnen Bogen eine Maske und posiert, manchmal sind es nur zwei oder drei.
Egal wie viele gerade da sind: Die Kulisse ist spektakulär und allemal lohnenswert. Es ist der Ort, an dem man noch die Ruhe findet, die Schönheit der venezianischen Kostüme ohne einen Selfie-Stick im Auge einzufangen. Ein echter Hotspot für alle, die das Besondere suchen!
Der magische Abschluss auf San Giorgio Maggiore

Wenn es gegen 16:30 Uhr geht, folgt der Geheimtipp für die wirklich schönen Bilder: Mit der Vaporetto Linie 2 rüber nach San Giorgio Maggiore. Dort stellen sich die Masken mit dem Rücken zur Lagune auf. Das Ergebnis? Die Maske steht völlig frei vor der grandiosen Skyline von Venedig – mit dem Dogenpalast und dem Campanile im Hintergrund. Da die Sonne im Westen untergeht, blitzen wir dezent auf, um die Gesichter zum Leuchten zu bringen. Kitschig? Vielleicht. Wunderschön? Absolut!
18:00 Uhr – Wenn der Vorhang fällt

Kaum ist die Sonne weg, leert sich die Stadt schlagartig. Ab 19:00 Uhr ist auf dem Markusplatz „tote Hose“. Die letzten Masken ziehen sich ins Café Florian zurück, und wir Fotografen verschwinden in unseren Zimmern, um die Beute des Tages zu sichten: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

Übrigens: In allen Fotolehrbüchern steht: „Ein guter Fotograf zeigt nur jedes 500-te Bild her.“ So gesteht der König der Karnevals Fotografen Matthias Wassermann, dass er nach den 14 Tagen hier im Karneval in Venedig ca. 16.000 Bilder mit nach Hause bringt.
Donnerstags: Das „Klassentreffen“ auf der Pracht-Treppe

Wenn man glaubt, man hätte am Markusplatz schon alles gesehen, dann kommt der Donnerstag. Das Ziel: Die gewaltige Freitreppe der Kirche Santa Maria della Salute.
Hier findet die inoffizielle Jahreshauptversammlung der Masken statt. Es ist das „Sehen und Gesehenwerden“ des Karnevals. Wer Rang und Namen hat (oder beides gerne hätte), wirft sich in Schale und begibt sich auf die Stufen. Diese Szene auf der Treppe von Santa Maria della Salute ist legendär – das ist quasi der „Rote Teppich“ von Venedig, nur mit mehr Seide und weniger Ruhe.
Italienische Lebensfreude – Lautstark serviert
Venedig ist Italien, und Italien ist… nun ja, selten leise! Während die Masken stumm und würdevoll posieren, ist das Drumherum ein herrlich lautes Spektakel. Damit überhaupt ein Gruppenbild zustande kommt und nicht nur 200 Hinterköpfe von Fotografen zu sehen sind, greift das Personal der Stadt durch: Mit weit ausgebreiteten Armen und sehr resoluten italienischen Worten wird die Fotografen-Meute drei bis vier Meter zurückgedrängt. Ein bisschen „Dompteur-Arbeit“ gehört hier einfach dazu, um Platz für die Farbenpracht zu schaffen!
So kommst du zum Spektakel
Dieser Event findet nur zweimal während der Karnevalszeit statt (jeweils donnerstags) und ist ein absoluter Pflichttermin für deine Speicherkarte.
- Der Weg: Ganz entspannt! Von der Haltestelle San Marco Vallaresso nimmst du die Linie 1.
- Dauer: Nur eine Station, etwa zwei Minuten Fahrt über den Canal Grande.
- Timing: Ab 10:00 Uhr treffen die ersten Masken ein. Mit jedem Vaporetto, das alle 12 Minuten anlegt, füllen sich die Stufen mehr.
- Der Höhepunkt: Gegen 11:00 Uhr ist die Treppe am vollsten – Zeit für das ultimative Gruppenfoto! Danach löst sich die Versammlung so langsam und elegant wieder auf, wie sie entstanden ist.
Typischer „Kampfanzug“ eines Fotografen

Wer glaubt, beim Karneval in Venedig gäbe es nur Masken aus Seide und Samt zu bestaunen, der hat die „Spezialeinheit Hobbyfotograf“ noch nicht gesehen.
Die Fotoindustrie reibt sich die Hände – ihre Werbung hat ganze Arbeit geleistet. Wer heute im Karneval in Venedig etwas auf sich hält, trägt Technik im Wert eines soliden Kleinwagens vor der Brust. 10.000 Euro für die gesamte Ausrüstung? Kein Problem. Und da ist der Blitz oft noch gar nicht mit eingerechnet!
Die moderne Ritterrüstung
Der ambitionierte Fotograf von heute gleicht eher einem Elitesoldaten als einem Touristen. Das Standard-Besteck:
- Zwei Kameragehäuse: Man will ja schließlich nicht Zeit mit Objektivwechseln verschwenden, während die Gräfin im Barockkostüm gerade so schön lächelt.
- Das „Heilige Duo“: Ein 24mm-70mm Weitwinkel-Zoom für die Pracht des Dogenpalasts und ein 70mm-200mm Tele, um den venezianischen Tauben tief in die Augen zu schauen.
„Ciao, ciao“ – Aber bitte mit System!
Da diese ganze Glas- und Metall-Pracht ein ordentliches Gewicht auf die Waage bringt, reicht ein einfacher Umhängegurt schon lange nicht mehr aus. Ein Bekannter von mir hat das Ganze perfektioniert: Er trägt ein ausgeklügeltes Klipp-System direkt an den Gurten seines Rucksacks.
Warum der Aufwand? Ganz einfach: Für die perfekte Perspektive muss man als Profi auch mal in die Knie gehen. Ohne diese Spezial-Clips würden die Kameras links und rechts wie Pendel gegen den venezianischen Boden krachen. „Ciao, Ciao“, teures Equipment!
Fazit: Zwischen Kunst und Kampfeinsatz
Wenn ich mir das so ansehe, wie die Kollegen mit ihrer Ausrüstung „einrasten“, erinnert mich das fast schon an einen militärischen Kampfeinsatz. Fehlt eigentlich nur noch die Tarnfarbe im Gesicht – wobei die zwischen all den glitzernden Masken wahrscheinlich gar nicht auffallen würde.
Man fragt sich: Ist das noch ein Hobby oder schon eine logistische Meisterleistung? Eines ist sicher: Die Fotos werden fantastisch – und das Training im Fitnessstudio kann man sich an diesem Tag definitiv sparen!
Reine Glücksache: Nebel

Morgen um 05:30 Uhr geht das Spiel von vorne los. Und ich freue mich jetzt schon darauf.
Ciao ciao aus dem Fotogetümmel!
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