
Direkt neben dem Bahnhof Santa Lucia gelegen, ist die Kirche Santa Maria di Nazareth (oft auch Scalzi-Kirche genannt, nach den „unbeschuhten“ Karmeliter-Mönchen) das erste architektonische Ausrufezeichen, das Reisende nach ihrer Ankunft in Venedig sehen. Sie ist eines der bedeutendsten Beispiele für den venezianischen Spätbarock.
Warum man sie besuchen sollte
Viele Touristen hasten am Ausgang des Bahnhofs direkt zu den Booten. Dabei verbirgt sich hinter der beeindruckenden Marmorfassade einer der prächtigsten Innenräume der Stadt. Für Besucher, die nach einer Zugreise einen Moment der Stille suchen, bevor sie in das Trübe der Stadt eintauchen, ist sie der perfekte erste Anlaufpunkt.
Wichtige Fakten für den Besuch
- Die prunkvolle Fassade: Die Fassade besteht komplett aus Carrara-Marmor und wurde vom Architekten Giuseppe Sardi entworfen. Sie wirkt wie eine Bühne und zeigt die technische Perfektion der venezianischen Steinmetzkunst.
- Das (verlorene) Tiepolo-Fresko: Ursprünglich war die Decke mit einem riesigen Fresko von Giambattista Tiepolo geschmückt. Dieses wurde leider im Ersten Weltkrieg (1915) durch eine österreichische Bombe zerstört. Heute sieht man dort ein modernes Ersatzwerk, aber in den Seitenkapellen sind noch originale Tiepolo-Arbeiten erhalten.
- Die letzte Ruhestätte des letzten Dogen: In dieser Kirche liegt Ludovico Manin begraben, der letzte Doge der Republik Venedig, der 1797 abdankte, als Napoleon die Stadt eroberte.
- Kostbare Marmorarten: Der Innenraum ist eine Demonstration von Reichtum. Die Verwendung von seltenen, farbigen Marmorsorten aus dem gesamten Mittelmeerraum ist technisch beeindruckend und schafft eine warme, fast goldene Atmosphäre.
Praktische Informationen
- Anfahrt: Unmittelbar neben dem Bahnhof Venezia Santa Lucia. Wer mit dem Zug ankommt, steht nach 50 Metern vor dem Portal. Auch die Vaporetto-Haltestelle Ferrovia (alle Linien) ist direkt davor.
- Öffnungszeiten: Täglich von 07:30 bis 12:00 Uhr und von 15:30 bis 19:00 Uhr. Da es eine Ordenskirche ist, sind die Zeiten großzügiger als bei reinen Museumskirchen.
- Eintritt: Der Eintritt ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Das macht sie zu einer hervorragenden Alternative zu den kostenpflichtigen Monumentalkirchen.
- Barrierefreiheit: Der Zugang vom Bahnhofsvorplatz ist nahezu stufenfrei möglich. Im Inneren ist die Kirche eben und sehr gut zugänglich – ideal für Reisende mit Gepäck oder eingeschränkter Mobilität, die direkt nach der Ankunft eine erste Sehenswürdigkeit erleben möchten.
Tipp für Senioren
Die Scalzi-Kirche ist der ideale Ort, um die Wartezeit auf einen Zug oder ein Vaporetto sinnvoll und in Ruhe zu überbrücken. Während es auf dem Bahnhofsvorplatz oft hektisch zugeht, herrscht im Inneren eine angenehme Kühle und absolute Stille. Ein perfekter Ort, um sich kurz zu sammeln, bevor man das Hotel aufsucht.
Kirchen im Überblick
- Alle Kirchen im Überblick
- Im Zentrum der Stadt: Der Markusdom
- San Vidal – Wo Architektur auf Vivaldi trifft
- San Giorgio Maggiore – Die Insel der Stille und Aussicht
- Santa Maria della Salute – Das barocke Wahrzeichen
- Il Redentore – Die Erlöserkirche auf der Giudecca
- San Polo – Ein gotisches Juwel am großen Platz
- Santi Giovanni e Paolo – Die Grabstätte der Dogen
- Santa Maria dei Miracoli – Das Marmor-Juwel von Venedig
- Basilica dei Frari – Das Monument der venezianischen Gotik
- Santa Maria di Nazareth – Das prachtvolle Tor zu Venedig
- San Giacomo di Rialto: Die Wiege Venedigs